
Wer eigene Chilis anbaut, kennt das Problem: Im ersten Jahr keimen fast alle Samen zuverlässig. Doch je länger sie gelagert werden, desto weniger Pflanzen gehen tatsächlich auf. Woran liegt das – und wie lange sind Chilisamen überhaupt haltbar?
Warum verlieren Chilisamen ihre Keimfähigkeit?
Chilis gehören zur Gattung Capsicum, etwa wie Capsicum annuum, chinense oder baccatum. Ihre Samen sind lebendige Organismen im Ruhezustand. Auch wenn sie trocken und unscheinbar wirken, laufen im Inneren weiterhin minimale Stoffwechselprozesse ab.
Mit der Zeit passieren mehrere Dinge:
1. Zellalterung
Die Zellmembranen verlieren an Stabilität, Enzyme bauen sich ab, und wichtige Strukturen werden geschädigt.
2. Oxidativer Stress
Sauerstoff führt zur Bildung freier Radikale, die Zellbestandteile angreifen.
3. Feuchtigkeitsschwankungen
Schon geringe Luftfeuchtigkeit kann Prozesse auslösen, die die Lebensfähigkeit mindern.
4. Temperatur
Wärme beschleunigt alle Alterungsprozesse. Je wärmer die Lagerung, desto schneller sinkt die Keimrate.
Kurz gesagt: Samen altern – genau wie alles Lebendige.
Wie stark nimmt die Keimrate pro Jahr ab?
Die Keimfähigkeit hängt stark von Sorte, Reifegrad bei der Ernte und Lagerbedingungen ab. Unter normalen Hobbybedingungen (kühl, trocken, dunkel gelagert) kann man grob mit folgenden Werten rechnen:
| Lagerdauer | Erwartete Keimrate |
| 0–1 Jahr | 80–95 % |
| 2 Jahre | 70–85 % |
| 3 Jahre | 50–70 % |
| 4 Jahre | 30–50 % |
| 5 Jahre | 10–30 % |
Das entspricht einem durchschnittlichen Verlust von etwa 10–20 % Keimfähigkeit pro Jahr – bei guter Lagerung. Bei ungünstiger Aufbewahrung kann der Verlust deutlich schneller erfolgen.
Einige robuste Sorten halten länger durch, während empfindlichere (besonders manche Capsicum chinense-Sorten) schneller abbauen.
Wie lange kann man Chilisamen maximal lagern?
- Realistisch gut nutzbar: 2–3 Jahre
- Mit Glück noch keimfähig: 4–5 Jahre
- Darüber hinaus: meist nur noch vereinzelt Keimlinge
Theoretisch können Samen unter idealen Bedingungen (sehr trocken, nahe 0–5 °C, luftdicht) sogar 6–8 Jahre überleben – allerdings mit deutlich reduzierter Keimrate.
Wie lagert man Chilisamen am besten?
Die goldene Regel lautet: kühl, trocken, dunkel und luftdicht.
Optimal:

- Vollständig durchgetrocknete Samen
- Luftdicht verschlossen (z. B. Schraubglas oder Zip-Beutel)
- Mit Silicagel oder Reiskorn als Feuchtigkeitsabsorber
- Lagerung bei 5–10 °C (z. B. im Kühlschrank)
- Möglichst konstante Temperatur
Vermeiden:

- Feuchtigkeit
- Temperaturschwankungen
- Licht
- Lagerung in warmen Räumen (z. B. über 20 °C)
Faustregel aus der Saatgutkunde:
Je 5 °C weniger Temperatur verdoppelt ungefähr die Lagerdauer.
Wann sollte man alte Chilisamen entsorgen?
Bevor man sie wegwirft, empfiehlt sich ein Keimtest:
- 10 Samen auf feuchtes Küchenpapier legen
- Warm stellen (ca. 22–25 °C)
- 10–14 Tage beobachten
Keimen weniger als 30 %, lohnt sich der reguläre Anbau meist nicht mehr – es sei denn, es handelt sich um eine seltene Lieblingssorte.
Spätestens wenn:
- über 5 Jahre alt
- sichtbar beschädigt oder verschimmelt
- oder mehrere Keimtests negativ ausfallen
… sollte man die Samen aussortieren.
Unsere Meinung:
Chilisamen sind keine „ewigen“ Vorräte. Sie altern biologisch – selbst bei bester Lagerung. Wer regelmäßig anbaut, sollte daher alle 2–3 Jahre frisches Saatgut gewinnen oder nachkaufen.
Mit guter Lagerung kann man die Lebensdauer deutlich verlängern – doch irgendwann gewinnt die Zeit.
Und genau deshalb lohnt es sich, jedes Jahr wieder neue Chilipflanzen heranzuziehen.





