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"Piro-Piro":
Scharfe Grüße aus Nepal
Wohl
kaum ein Chili-Fan hat in so luftiger Höhe Erfahrungen mit scharfen
Schoten sammeln können wie Axel Wicke aus Berlin. Hier sein Bericht aus
Nepal. Vor
einem Jahr war ich in Nepal und habe dort die leckerste Chilisoße
meines Lebens kennengelernt. Es begann alles mit dramatischen
Magenproblemen (wenn man die in Nepal nicht früher oder später hatte,
war man nicht dort). Ich machte eine selber organisierte sechswöchige
Wanderung durch das Everest-Gebiet und zwei angrenzende Regionen, die
wie das Dach der Welt vom Volk der Sherpa besiedelt sind, aber bisher so
gut wie gar nicht touristisch erschlossen wurden. Dort kam es, wie es
kommen mußte: Bei diesen hygienisch nur sehr mittelmäßig
ausgestatteten Küchen fing ich mir irgendeinen dieser fiesen
Magen-Darm-Bakterien ein. Praktischerweise stellte sich bald heraus,
daß sich der Bazillus in keiner Weise von den Mitteln, die ich dabei
hatte, beeindrucken ließ. Zwei Tage schleppte ich mich noch weiter,
bevor ich dann in Najindingma, einem abgelegenen und aus gerade mal drei
Häusern bestehenden Bergdorf entkräftet und dehydriert landete und
keine andere Möglichkeit mehr sah, als das alles "irgendwie
durchzustehen". |
Sonnenuntergang
am
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Rettung, und dazu ungemein leckere, brachte die Mutter der Familie, die mich freundlicherweise aufgenommen hatte. Natürlich hatte ich auf schlicht gar nichts Appetit, nur mit gekochten Kartoffeln konnte ich mich halbwegs anfreunden. Kartoffeln gab es ja zum Glück genug und die Frau kochte sie über dem offenen Feuer, daß in der ärmlichen und von Ruß geschwärzten Hütte ständig zum Wärmen brannte. Als sie mir den Teller brachte fragte sie mich ob ich dazu "piro, piro" haben wollte, was das erste Wort war, das ich alter Chilihead auf Nepali gelernt hatte, nämlich "scharf". Natürlich bejahte ich ihre Frage begeistert, auch weil ich das Gefühl hatte, daß was Scharfes meinem Magen sehr gut tun würde. Dann sah ich interessiert zu, wie sie einen alten, völlig ranzigen Steinmörser und ein paar gefüllte Säcke aus einem Regal holte. Aus diesen Säcken holte sie zuerst eine Handvoll kleiner Chilis, die mein Herz höher schlagen ließen (ich glaube, es waren Thais). Die zerkleinerte sie und tat sie zusammen mit zwei Knoblauchzehen in den Mörser. Dann griff sie in einen weiteren Sack und holte eine dunkelrote, säuerlich schmeckende Frucht heraus, die ich erst nach meiner Rückkehr als Tamarillo ("Baumtomate") identifizieren konnte. Eine Hälfte davon schnitt sie zu der Mischung , die dann mit einer guten Prise Salz im Mörser gründlich zerstoßen wurde - heraus kam eine dickflüssige rote Soße, die sowas von herrlich, rattenscharf-säuerlich schmeckte, daß es mir fast schlagartig besser ging.
Das war vor allem in größeren Höhen und auf meinem Rückweg, wo sie keine Chilis anbauten der Fall. Am Dach der Welt habe ich dann noch die interessante Beobachtung gemacht, das die leichten Anzeichen von Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Atem-, Schlaf- und Appetitlosigkeit aufgrund des geringen Sauerstoffgehaltes in der Luft) sich erheblich bessern nach einem ordentlich scharfen Essen - die Trecker, mit denen ich in den Lodges meine Soße teilte, bestätigten mir das! Zwei Tage nach meinem Zwischenstop war ich wieder soweit bei Kräften, daß ich meine Wanderung fortsetzen konnte. Die Sosse und ihr Rezept blieb mir aber so gut im Gedächtnis, daß ich mir am Tage des Rückflugs in Kathmandu auf dem Markt einen Steinmörser, ein Kilo Chilischoten und Tamarillos en masse kaufte, weil ich befürchtete, sie in Deutschland nicht zu bekommen... Was war die Freude groß, als ich sie auch hier in der Exoten-Abteilung meines Supermarktes entdeckte! Mein Vorrat von selbstgemachter Nepal-Chilisosse war gerade alle und so konnte ich mir wieder neue machen... Also: Probiert das Rezept doch mal aus - ist vor allem auch super quick&easy zuzubereiten, ohne Kochen!
Seit der Tour letztes Jahr steht "Chili-Soße" auf meiner Packliste für die nächste Bergwanderung - als Medizin gegen Höhenkrankheit und die üblichen Magen-Darm-Probleme im Himalaya! Story und Nepal-Fotos von Axel Wicke
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Tamarillo ("Baumtomate"), noch grün (Foto: Flora Toskana) Wie Chilis, Kartoffeln und Tomaten gehört auch die Tamarillo ("Baumtomate") zur Familie der Nachtschattengewächse; ihre Heimat ist das nördliche Südamerika. Das Fruchtfleisch der eigroßen Beerenfrucht kann gelb, rot oder dunkelpurpurrot sein und enthält zahlreiche essbare, weiche Samenkerne. Mit etwas Glück bekommt man die Früchte mit dem leicht herben, süßsäuerlichen Geschmack auch bei uns auf Märkten in der "exotischen Früchteecke". Falls Sie selbst Baumtomaten ernten wollen: Pflanzen gibt's bei
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