
Sind
sie weitgehend ausgewachsen, durchlaufen die grünen Früchte aller drei
Varianten einen interessanten Farbwechsel - zunächst werden
sie dunkler, dann orange, und schießlich - Überraschung! - so
richtig kräftig rot. Dies war für uns in der Tat interessant zu
sehen, denn die
aus Indien und USA zur Verfügung gestellten Bilder zeigten stets nur
orangefarbene Chilis (in den Spezifikationen indischer Anbieter war
allerdings "rot" zu lesen).

Ende
Oktober war dann Stichtag - die Container mit den Testpflanzen
hatten ihren Fototermin im Freien - von
links nach rechts Bhut Jolokia, Bih Jolokia, Naga Morich.
Alle Pflanzen wurden etwa gleich hoch und ähneln sich stark im
Wuchs, inklusive Verzweigung, Blattgröße usw. Während Bhut
und Bih Früchte in ähnlicher Anzahl und vergleichbarer
Größe hervorbrachten, fielen die Chilis der Morich-Pflanze
kleiner aus - dafür waren es deutlich mehr, sodass die
gewichtsmäßige Ausbeute bei allen dreien etwa auf Dasselbe
hinauslief.
Dies
bestätigt dann auch die Ernte...
Allen
dreien gemeinsam sind auch die enormen Abweichungen in der Form
der Früchte.
Während
viele Chili-Sorten, zum Beispiel Jalapenos oder Orange
Habaneros, weitgehend uniforme Früchte hervorbringen, bekommt
man bei den scharfen Indern alle möglichen Formen an
einundderselben Pflanze. Einige Früchte sind schlank, andere
bauchig. Haben schmale oder breite Schultern. Einige sind an der Spitze abgerundet, viele laufen aber
ausgeprägt spitz zu, verbunden mit schmaler Schulter.
Rein
von der Form einer Chilischote ist es daher in diesem Fall
offensichtlich nicht einfach, eine Sortenbestimmung vorzunehmen. Allen
gemeinsam ist jedoch die unebene, blasige Oberfläche.
Kommen
wir zu den "inneren Werten". Der Aufbau - meistens drei
manchmal vier Kammern, schlanke Zwischenwände - ist bei allen
dreien weitgehend gleich. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie nicht
sehr viel Saat produzieren - viele Früchte enthalten weniger als
20 Körner. EIn mühsames Geschäft für Saatproduzenten.
Was
die Schärfe angeht, wurde kein HPLC-Test, sondern "nur"
eine Verkostung durchgeführt. Die Testpersonen waren sich einig,
dass alle drei Varianten vergleichbar feurig waren; deutlich
schärfer als alle bisher probierten frischen Chilis. Hier merkt
man allerdings auch, dass das Schärfeempfinden ab einer
bestimmten Schärfe in die
Sättigung geht und Unterschiede nicht mehr wahrgenommen werden -
ähnlich, als ob man senen Finger in eine Kerzen- oder Gasflamme
hält.
Fazit
Soviel
also zu unserem kleinen Vergleich. Zwar decken sich die
Erkenntnisse mit denen von Freunden, die diese Chilis in diesem
Jahr ebenfalls
testweise angebaut haben. Trotzdem sind sie sind natürlich
keinesfalls 100%ig repräsentativ; dafür müsste man von allen
Kandidaten eine wesentlich größere Anzahl Pflanzen ausbringen, und
dies womöglich über Jahre hinweg. Es sieht aber so aus, als ob zumindest Bhut Jolokia und (die uns zum Test zur Verfügung
gestandene) Bih Jolokia weitgehend identisch sind. Dafür
sprechen auch die getrockneten Schoten, die wir von indischen
Anbauern (Bih) und vom Chile Pepper Institute (Bhut)
erhielten. Nachdem Bhut Jolokia dank Chile Pepper Institute
zu Guinness-Weltruhm gelangte, ist neuerdings auch in der
indischen Berichterstattung alles nur noch "Bhut". Bei Naga
Morich scheint es gewisse Abweichungen zu geben, was die
Häufigkeit einer hohen Anzahl von Blüten pro Knoten und die
Größe der produzierten Früchte angeht. Eine im Vorjahr gezogene
Morich-Pflanze (Saat aus derselben Originalpackung) brachte noch
kürzere Früchte hervor, und noch zahlreicher (siehe
Hauptartikel).
Eines
ist allen dreien aber 100%ig gemeinsam: Die Chilis sind nicht nur
extrem scharf, sie sind auch, wie obiges Foto zeigt, ein höchst
dekoratives Mitglied der großen Capsicum-Familie.
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