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Automatische
Bewässerung
Am
besten ist es natürlich, wenn man sich die Zeit nehmen kann,
regelmäßig selbst nach den Pflanzen zu schauen und bei Bedarf zu
gießen. Was aber, wenn die Zeit fehlt, oder wenn man mal ein paar Tage
oder Wochen unterwegs ist? Ein einziger richtig heißer Tag kann schon
ausreichen, den mühevoll
aufgepeppelten Pflanzen den Garaus zu machen.
Die
Lösung: Automatische Bewässerung mit einem Tröpfchenbewässerungssystem.
Im Gegensatz zum manuellen Gießen oder Beregnungsanlagen kann das Wasser
damit genau dosiert und direkt an die Pflanze gebracht werden. Das spart nicht nur Wasser, sondern verhindert auch unnötige Feuchtigkeit auf den Pflanzen. So
wird Pilzbefall auf den vermieden und unnötiger Einsatz von Fungiziden
vermieden.
In
Gartencentern und Versandhäusern gibt dafür es eine ganze Reihe von
Systemen, die baukastenmäßig zusammengestellt werden können. Die
meisten arbeiten mit einem elektronischen Timer und Magnetventilen für
die Wasserleitung. In der Regel lassen sich Intervall und Dauer der Bewässerung
einstellen.
Einige Systeme bieten auch einen Feuchtesensor. Was
aber, wenn die Batterie gerade leer ist, wenn Sie im Urlaub sind, der
Strom fällt aus, oder die Elektronik "spinnt" einfach?
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Die
Gewächshausfirma Beckmann KG begegnet dieser Problematik mit einem
verblüffend einfachen "Low-Tech"-System namens BETA 8.
Das fanden wir interessant genug, um es in unserem
Gewächshaus zu installieren. Da Wangen nicht weit von uns ist, haben
wir die erforderlichen Teile vor Ort eingekauft; es gibt aber auch
einen Web-Shop.
Das
Beckmann-System besteht im wesentlichen aus drei Komponenten -
einem dickeren (12 mm) Zuleitungsschlauch, 2 mm dünnen
Tropfschläuchen, die davon abzweigen, sowie Reglern, die an
Ende der Tropfschläuche kommen. Hinzu kommt diverses Zubehör wie
T- und Winkelstücke, Schlauchhahn und Fassanschluß.
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Diese
Regler sind der Clou des Systems, denn sie arbeiten ohne Strom,
ohne Elektronik, und jeder für sich:
Durch
die horizontale Bohrung eines Kunststoffzapfens ist ein
Gummischlauch (2) von ca. 3mm gesteckt, von unten durch ein
Holzröhrchen (1) begrenzt, das sogenannte Quellholz, von oben
durch einen Kunststoffring (4) mit Skala und einem Drehknopf (3),
der als Mutter auf einem Gewinde sitzt und zur Feineinstellung
dient.
An
ein Ende des Gummischlauchs wird der Tropfschlauch mit der
Wasserversorgung angesteckt, aus dem anderen tropft's heraus.
Und
so funktioniert das Ganze:
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Der
Regler wird so weit in die Erde gesteckt, dass sich das Holz
teilweise unter der Erde befindet. Ist die Erde - und damit das
Quellholz - feucht, dehnt es sich aus, presst den Gummischlauch
zusammen und schließt damit das Ventil. Weren Erde und Holz
trockener, zieht es sich wieder zusammen, gibt den Schlauch frei
und läßt Wasser tropfen, bis das Ventil wieder schließt. Wie
der Regler anspricht, hängt von drei Faktoren ab: Zum einen, wie
tief das Quellholz in der Erde steckt (Abstand A; Beckmann
empfiehlt 5 mm). Zum anderen gibts mit dem Einstellknopf (3) eine
Justierung. Und damit das Ventil nicht laufend auf- und zugeht,
vergößert man den Abstand B zwischen Tropfstelle und Holz durch
Einstecken eines Tropfschlauch-Stücks. Bei unseren Kästen mit je
zwei Chilipflanzen erwies sich eine Verlängerung auf 10 cm als
sinnvoll. Da jeder Regler individuell dosiert, eignet sich BETA 8 besonders für Pflanzen mit unterschiedlichen Wasserbedürfnissen.
So bekommen durstige Gemüsepaprika-Pflanzen mehr Wasser
zugeteilt, während man z. B. Habaneros knapper halten kann, damit
sie schön scharf werden.
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Zuerst
mußte natürlich die Wasserversorgung geklärt werden. Da kein
Leitungswasseranschluß in der Nähe ist und zudem Wasser gespart
werden soll, haben wir hinter dem Gewächshaus ein Kunststoff-Fass
aufgestellt, das seinerseits aus einer größeren Regentonne
betankt wird. Erfahrungsgemäß
brauchten wir bisher 1-2 Gießkannen á 10 L pro Tag, sodass eine
Füllung des 220L-Fasses für 10-15 Tage reichen dürfte.
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Wichtig
ist, dass das Fass höher steht - daher der Betonplatten-Sockel. Angezapft
wird mit einem 12 mm Fassanschluß, den Beckmann als Zubehör
anbietet. Unten haben wir knapp 10 cm Luft gelassen, damit keine
Ablagerungen mit angesaugt werden. Ins
Gewächshaus gelangen wir durch ein 13 mm Loch, das wir in einen
der Aluschienen bohren (es empfiehlt sich, stufenweise mit
kleineren Bohrern vorzubohren). |
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Im
Haus setzen wir als erstes einen Hahn auf. Da die Beckmann-Hähne
sehr wuchtig sind, haben wir uns nach einem passenderen Teil
umgesehen und einen Nylon-Hahn bei Rekru
gefunden.
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Anschließend
folgt ein T-Stück, um die Zuleitungsschläuche auf die
beiden Seitenwände zu verteilen. Um die Ecken gehts mit
Winkelstücken, aud die Enden kommen Stopfen. An
den Seitenwänden befestigen wir die Schäuche mit Kabelbindern
sowie praktischen Schraubösen, die sich ins Profil der
Aluschienen einklinken lassen (ebenfalls bei Beckmann). |
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Sobald
man weiß, wo überall Wasser benötigt wird, können die
Tropfschläuche montiert werden. dazu wird der Zuleitungsschlauch
mit einem speziellen Pickel (Zubehör) angestochen und sofort der
2mm dünne, auf die benötigte Länge zugeschnittene Tropfschlauch
eingeführt, wobei ein weiteres Spezialwerkzeug hilft.
Die
Verbindung ist wasserdicht und erstaunlich stabil. Als
Zugentlastung wird lediglich eine Schlaufe um den
Zuleitungsschlauch gezogen. |
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Vor
der Montage müssen die Regler 30 Minuten in Wasser eingeweicht
werden. Dann
wird jeder Regler in die Erde gesteckt und mit dem Tropfschlauch
verbunden; auch ans Auslaufende kommt ein Stück Tropfschlauch, um
den schon erwähnten Abstand zwischen Auslaufstelle und Quellholz
zu vergößern, damit mehr Wasser läuft, bevor er anspricht.
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Die
Abtropfstelle darf nicht direkt auf der Erde aufliegen, da sonst
Wurzeln hineinwachsen. Wir legen Weinkorken darunter (ich wußte
doch, dass ich die Dinger nicht umsonst sammle).
Nun
beginnt die Feinarbeit, und Beckmann empfiehlt zu Recht, mit der
Installation der Anlage nicht einen Tag vor der Urlaubsreise zu
beginnen, sondern sich eine Woche Zeit zu nehmen. Die Regler
müssen justiert werden |
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Zum
einen muß die Schraube nachgestellt werden, zum anderen ist hier
und da die Länge des aufgesteckten Tropfschlauchstücks am
Auslauf angepasst werden.
Nach
der ersten Nacht war unser 220 L Fass zu 75% leer - das haben
wir aber schnell in den Griff bekommen. Schon nach drei Tagen
hatten wir recht akzeptable Einstellungen gefunden. Die Regler
tröpfeln vor sich hin, bei den Pflanzen scheint genau die
richtige Menge Wasser anzukommen. |
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Fazit:
Der
Installationsaufwand war relativ gering, die Montage einfach. Die gedruckte Anleitung ist sehr kompakt, schildert aber alle Schritte
anschaulich und zeit auch die weiteren Einsatzmöglichkeiten des
Systems. Lediglich die Justierung erfordert ein wenig Zeit und
Fingerspitzengefühl. Die Kosten für das System beliefen sich auf knapp
200 Euro - durchaus akzeptabel für ein 220 L Fass, Fass-Anschluss, 10 m
Zuleitungsschlauch, 50 Tropfschlauch, 45 Regler, T- und Winkelstücke,
Montagewerkzeuge etc.
Sicherheitshalber
werden wir noch einen Filter (ca. 20 Euro) dazukaufen, der Partikel aus
dem Regenwasser zurückhält. Der Innendurchmesser der Tropfschläuche
beträgt nur etwa 1 mm, sodass man Verstopfungen besser vorbeugen
sollte.
Auch
gibt es die Quellholz-Röhrchen als Ersatzteil (ca. 1 Euro/Stück), d.h.
offenbar halten sie nicht ewig. Der Farbe nach sind sie
druckimprägniert, was Fäulnis entgegenwirkt, aber vorstellbar wäre, dass die Feuchte dem Holz auf
Dauer zusetzt.
Ob
und wie sich das BETA 8 Bewässerungssystem bewährt, muß nun die
Praxis zeigen; dieser Bericht wird daher sicher noch des öfteren
ergänzt werden.
Update
1 ... zweieinhalb Wochen später
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Zweite
Juli-Woche, zweieinhalb Wochen später - die Pflanzen haben einen
unheimlichen Wachstumsschub hingelegt, deutlich stärker als beim
manuellen Gießen in den Vorjahren. Dabei haben sich nicht nur solide
Stämme und dichtes Blattwerk gebildet, sondern auch zahlreiche Blüten,
sogar schon die ersten Schoten. Die Wasserregelung funktioniert
verblüffend gut; bei brüllender Sommerhitze wird das 220L-Fass
allerdings in einer Woche leer.
Knapp
eine Woche nach Online-Bestellung traf auch das Filterelement ein,
komplett mit 12 mm Schlauchstutzen ca. 20 Euro. Im Abscheider
sitzt ein feines Sieb, das sich nach Aufschrauben herausnehmen und
reinigen lässt. Tipp: die Schlauchenden mit einem Fön oder
Heißluftgebläse etwas anwärmen, sonst reißt der Schlauch leicht ein,
da die Stutzen etwas zu dick sind (oder der Schlauch zu eng). Auf die
Stutzen etwas Geschirrspülmittel geben, dann flutscht der Schlauch
besser drauf. Anschließend musste das System durch Entfernen der
Endstopfen entlüftet werden. Der Wasserdruck wurde durch den
Filtereinbau nicht nennenswert
beeinträchtigt.
Update
2 ... weitere vier Wochen später
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Im
August 2006 wirds nicht mehr so heiß; zudem bedeckt der
"Chili-Dschungel" die Container, was die
Wasserverdunstung durch Sonneneinstrahlung auf die Pflanzerde
reduziert. Ein Fass reicht jetzt gute zwei Wochen.
Ein
erster Test - einige Thai-Chilis sind schon rot - zeigt, dass
sparsam genug gewässert wird, um feurig-scharfe Schoten zu
bekommen (knappes Wässern bedeutet Stress, auf den die
Chilipflanzen mit verstärkter Capsaicinbildung regieren, während
sie bei üppigem Wasser meist milder werden).
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Update
3 ... weitere vier Wochen später
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Im
September 2006 kommt die Sommerhitze nochmal mit Macht zurück -
ausgrechnet, während wir 1500 km entfernt beim Peperoncino
Festival weilen. Innerhalb von zwei Wochen müssen unsere
Freunde das Fass zweimal erneut befüllen - aber gießen brauchen
Sie die Pflanzen nicht. Keine Gefahr der Überwässerung, oder
dass unsere Lieblinge vertrocknen.
Die Wasserdosierung hatten wir offensichtlich gut
eingestellt - die Pflanzen sahen nach unserer Rückkehr gut aus,
haben aber wenig genug Wasser bekommen, um so richtig scharfe
Früchte zu entwickeln. Auch ist es im Gewächshaus auffällig
weit weniger feucht als im Vorjahr.
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Update
4 ... Oktober 2006
Das
BETA 8 Bewässerungssystems hat sich bis zur Ernte wacker geschlagen,
und nun ist es langsam Zeit, an den Winter zu denken. Was ist bei der
Überwinterung zu beachten? Fira Beckmann hat uns netterweise zu unseren
diesbezüglichen Fragen geantwortet:
F:
Welche Maßnahmen treffen Sie zur Überwinterung des
Bewässerungssystems:
A:
Wir lassen alle Schläuche liegen und nehmen nur die Regler ins Haus.
Das Quellholz hat eine Lebensdauer von ca.4 - 5 Saisonen.
F:
Wenn ein Gewächshaus im Winter nicht beheizt wird (oder wenn das System
im Freiland installiert war) -- wie macht man es korrekt winterfest?
Regler vom Tropfschlauch abziehen und einfach abspülen/trocknen?
Oder Regler zerlegen?
A:
Regler abspülen, aber nicht zerlegen.
F:
Sollten die Ventile ganz geöffnet werden, damit sich der
Quetschschlauch "erholen" kann?
A:
Nein
F:
Reicht ein Leerlaufenlassen/Entlüften der Kombination aus
Zuleitungsschlauch und Tropfschläuchen? Die
sollte man nicht von einander
trennen über Winter, oder?
A:
Schläuche können liegenbleiben.
F:
Sollte man jedes Jahr neue Quellhölzer montieren, oder ist mehrjährige
Benutzung üblich?
A:
Mehrjährige Nutzung üblich.
F:
Woran erkennt man, ob ein Quellholz ersetzt werden muß? Entstehen Risse?
Oder läßt die Expansions-/Kontraktionsfähigkeit nach?
A:
Die Kontraktionsfähigkeit lässt nach.
F:
Wie gefährdet ist ein BETA-8 System in einem an sich beheizten
Gewächshaus, in dem bei Frost die Heizung ausfällt - Frost ist
wahrscheinlich nicht gut für feuchtes Quellholz?
A:
Die Erde wird nicht so gefrieren, dass das Holz Schaden nimmt.
Habern
auch Sie eine Bewässerungsanlage für Ihre Chilis im Einsatz?
Schicken Sie uns Ihre Erfahrungen, gerne mit
Bildern, per Email!
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