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Gewächshaus: Saison-Verlängerung für Chilis     Hauptseite

Gewächshäuser sind ideal, um die wärmeliebenden Chilis zu ziehen. Mittlerweile sind wir bei unserem dritten angelangt. Diese Seiten schildert Aufbau, Stärken und auch Schwächen.

Teil 1: "Das Grüne"

Chilis brauchen warmes Wetter, und vom Pikieren bis zur Ernte vergeht ein gutes Vierteljahr.  Da Chiliheads in Norddeutschland (bis Mitte 2003 wohnten wir an der Kieler Außenförde) klimatisch nicht gerade verwöhnt werden, haben wir uns dieses Jahr zum Bau eines Gewächshauses entschlossen. Nach diversen Baumarkt-Besuchen und dem Studium zahlloser Hersteller-Kataloge entschieden wir uns für ein Modell der Firma Hunecke. Da wir an der an der Ostseeküste der salzigen Meeresluft ausgesetzt sind, haben wir die Aluminium-Teile pulverbeschichten lassen, was zudem gut aussieht (leider auch nicht ganz billig ist). I

Überraschung bei der Anlieferung: Alle Einzelteile kommen schön grün beschichtet, aber völlig unsortiert und ungekennzeichnet. Auf Nachfrage erfahren wir, dass die Lackiererei die im Urzustand nach Gruppen sortierten Teile ausgepackt, beschichtet und zusammengeworfen hat - man denkt sich ja sonst nichts. Das Sichten und Identifizieren der zum Teil sehr ähnlich aussehenden aber halt doch unterschiedlichen Teile kostet uns glatt zwei tage. Dann aber geht's los:

Bauphase 1: Fundament aus Gehwegplatten auf gestampftem Kies. Darauf der Alu-Fundamentrahmen. Genaues Arbeiten zahlt sich hier aus.

Bauphase 2: Metallbauskasten für Erwachsene. Dank werkseitig  vorgefertigter gut durchdachter Profile kein Problem. Lediglich die Fenster wirken mechanisch nicht so durchdacht.

Bauphase 3: Verglasen mit  Hohlkammer- Platten aus UV-festem Polycarbonat. Die Scheiben  werden  mittels rostfreier Stahlklammern befestigt.

April 2001. Der Aufbau war im Großen und Ganzen unproblematisch. Wo wir in der Bedienungsanleitung steckenblieben, half uns der Hersteller am Telefon freundlich und kompetent auf die Sprünge. Egal, was Sie lesen: Alles in allem sollte man für den Bau mindestens eine gute Woche veranschlagen. Auch wenn das Aufbauen Spaß macht, ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen.

Chili-Jungpflanzen im Gewächshaus

Unsere  rund 300 Chili - Jungpflanzen atmeten auf, als sie endlich vom Wintergarten ins Gewächshaus umziehen durften. Hier kann nun auch in Ruhe in Container umgetopft werden, auch wenn's draußen mal wieder regnet.

Unser ganzer Stolz ist die  Pflanze einer extrem seltenen Galapagos - Chilisorte. Die Saat keimte erst, nachdem wir sie über Nacht in eine milde Guano - Lösung gelegt hatten.

Galapagos-Chili

Laut Hersteller sind Hohlkammerplatten (vorzugsweise 6mm) die optimale Verglasung, da sie bruch- und hagelsicher sind, die bestmögliche Temperatur-Isolierung sowie eine hohe Lichtbrechung aufweisen. Das Material absorbiert UV- und Infrarotstrahlen, sodaß zusätzliches Schattieren nicht mehr erforderlich ist (dies war uns für die zarten Chili-Jungpflanzen wichtig, die unter unschattiertem Glas schnell schlappmachen). In der kälteren Jahreszeit spart man gegenüber Glas angeblich bis zu 40 % der Heizkosten.

Juli 2001. Das Gewächshaus hat diversen leichteren Ostsee-Frühjahrsstürmen ohne zu Murren getrotzt, und die Chilis sowie Tomaten gedeihen prächtig.

Gewächshaus im Juli 2001

Mit Einbruch des Sommers mussten wir feststellen, dass es im Haus ganz schön heiß werden kann. Nicht immer ist man dann gerade in der Nähe, um die Stellfenster zu öffnen. Glücklicherweise gibt es automatische Fensteröffner. Diese funktionieren mit einem temperatur - empfindlichen Hydraulik-Zylinder (siehe Pfeil), der bis zu 6 kg heben kann; die Gewächshausfenster sind natürlich wesentlich leichter.

Der Einbau dauerte 10 Minuten, und ab 20 grad Celsius öffnen sich nun die Fenster wie von Geisterhand. Kosten pro Öffner ca. € 30.00/Stück.

Automatischer hydraulischer Fensteröffner

Automatischer Fensteröffner

Hier eine kleine Auswahl, was im Haus jetzt so wächst (Stand: Anfang Juli 2001):

Cherry Bomb (F1), unreif

 Cherry Bomb (F1)

Giant Jalapeno (F1), unreif

 Giant Jalapeno (F1)

Hungarian Hor Wax, unreif

 Hungarian Hor Wax

Habanero, beginnende Fruchtentwicklung

 Habanero

Bestäubungshelfer:
Hummeln, Bienen und
Schwebfliegen zieht es
ins offene Gewächshaus

 

Hummel

 

 

Oktober 2001. Und so sieht's im Oktober aus - viele Chilis haben jetzt ihre perfekte Reife:

Caribbean Red

 Caribbean Red

Early Jalapeno

 Early Jalapeno

Serrano del Sol

 Serrano del Sol

Habanero

 Habanero

Besonders die Chilis aus heißen Gegenden wie Caribbean Red und Habanero profitieren gewaltig vom Treibhausklima; ihre Kollegen im Freiland haben man gerade erst grüne (und auch kleinere) Schoten. Besonders die Caribbean Red entwickelten zudem eine unglaubliche Schärfe, die an Red Savina heranreichen dürfte.

Es gibt allerdings auch Sorten, denen das erhöhte Nährstoffangebot des Freilandes wichtiger zu sein scheint als die Wärme. Zum Beispiel wurden die Schoten der Sorte Giant Jalapeno draußen im Hochbeet erheblich größer als im Gewächshaus, und die Pflanzen zeigten sich ertragreicher. Auch dem Espelette aus dem dem französischen Baskenland taugte es draußen besser.

Spätestens wenn Väterchen Frost anklopft, werden wir jedoch alle noch nicht abgeernteten Chili-Pflanzen ins Gewächshaus umquartieren...

Giant Jalapeno (Freiland)

 Monster-Ernte:
 Giant Jalapeno im Freiland

Januar 2002: Erste Sturmschäden

Der Januar zeigt sich von der stürmischen Seite, und die schlecht schließenden Fensterriegel entpuppen sich als Risiko: Der Wind öffnet ein Fenster, drückt es auf und bläst zwei Wandplatten sowie ein Dachpaneel aus dem Rahmen. Rechtzeitig erkannt, Gefahr mit wetterfestem Klebeband gebannt. Die Fensterriegel haben wir verstärkt. Gutes Geschäft für Hunecke: Zum erneuten Einsetzen der Scheiben benötigen wir neue Edelstahlklammern für € 45.00 - die alten finden wir dann im Sommer mit dem Rasenmäher.

21. Februar 2002: Das Gewächshaus lernt fliegen

Gewächshaus Total(schaden)

 

Ground Zero auf Gärtner-Art:
Das Hunecke-Gewächshaus
vom Sturm dahingerafft.

Wie man erkennt, wurde das
Haus vom Fundamentrahmen
gerissen und vom Sturm
dann fachmännisch zerlegt.

 

Gewächshaus Total(schaden)

Orkanartiger Sturm aus nordöstlicher Richtung verursachte in der Nacht zum 21.2. schwere Schäden in Norddeutschland, und auch die Pepperweltler blieben nicht verschont. Mitten in der Nacht erwies sich die Alu-Konstruktion als zu windig für derlei Kräfte. Die Bilder sprechen für sich...

Fazit: Obwohl uns Fa. Hunecke vor dem Kauf versicherte, daß dieser Gewächshaustyp sogar auf Nordseeinseln zum Einsatz kommt, ist er nach unserer Erfahrung für's sturmgebeutelte norddeutsche Flachland nicht so gut geeignet - vorsichtig formuliert.

Den Hersteller schienen die genauen Ursachen für das Versagen der Konstruktion nicht weiter zu interessieren. Zum Glück war das Gewächshaus versichert, und das Neue ist bereits in der Planung.

Im diesem Zusammenhang unser Tipp: Melden Sie Ihr Gewächshaus nach Fertigstellung Ihrer Gebäudeversicherung, um es ggf. dort mit aufnehmen zu lassen. Näheres sagt Ihnen Ihr Versicherungsbetreuer.

Fortsetzung folgt... und zwar hier

 

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